Handzeichen im virtuellen Raum

Auch im virtuellen Raum von Chats, Internet-Telefon-Konferenzen und Videokonferenzen helfen (Hand-)Zeichen bei der Strukturierung von Gesprächen und Diskussionen.

Redeliste zu führen geht online nach etwas Gewöhnung ganz einfach mithilfe eines Chats parallel zum Gespräch. Dafür wird entweder die vorhandene Chat-Funktion in Programmen wie Jitsi/Zoom/… genutzt oder parallel zu Jitsi/Zoom/Mumble ein Pad (riseup, etc.) geöffnet und dort der Chat genutzt.

Im Chat geben sich alle teilnehmenden Personen einen Namen (im Fall von Pads dort die Chat-Funktion nutzen).

Mit folgenden Zeichen kann im Chat dann kommuniziert werden:

*    bedeutet “Wortmeldung/Ich möchte etwas sagen”
++  bedeutet “Zustimmung” oder bei konkreten Ja-Nein-Fragen “Ja”
–     bedeutet “Ablehnung” oder bei konkreten Ja-Nein-Fragen “Nein”

Es gibt weitere Zeichen (und alle können kreativ sein und sich auf eigene verständigen), aber diese hier sind zu Beginn die wichtigsten. Und sich auf einige Zeichen und Bedeutungen übergreifend zu verständigen hilft, sich auch in neuen Zusammenhängen mit den Zeichen zu verstehen.

Damit kann die Moderation eine Redeliste führen, Stimmungsbilder abfragen und konkrete Fragen stellen, die mit Ja/Nein von allen beantwortet werden können. Alleine dieses Vorgehen hilft schon viel in der Online-Kommunikation und Entscheidungsfindung!

Wichtig ist auch eine klare Moderation, die strukturiert, zusammenfasst, Fragen stellt, etc. sowie eine von allen geteilte Form der Entscheidungsfindung.

Überlegungen zur Barrierefreiheit von Handzeichen für Menschen mit Sehbehinderung

Wir haben eine Mail erhalten, die darauf hinweist, dass für Menschen mit Sehbehinderung die Handzeichen ausschließend sind:
“Wenn parallel zu einer mündlich geführten Diskussion eine komplette zweite rein visuelle Kommunikationsebene etabliert wird, und dies ausdrücklich mit dem Ziel möglichst nicht exkludierend zu wirken, dann muss mit Nachdruck auf die Belange von sehbehinderten und blinden Menschen hingewiesen werden. Und dies nicht als Kritik, sondern als konstruktiver Hinweis, um die Ziele dieser Initiative nicht ad absurdum zu führen.”
Als Möglichkeiten, diese Barriere kleiner zu machen, ist uns im Austausch eingefallen, dass es an der Moderation (aber auch allen, die Redebeiträge halten) liegen sollte, zu verbalisieren, was sie an Handzeichen im Raum sieht und was sie daraus schließt. Eine parallele “Flüsterübersetzung” der Handzeichen ist auch denkbar, entspricht aber nicht den Kriterien von Inklusion, die Strukturveränderung vorsehen statt individuumsorientierte Maßnahmen der Integration.

English Translations

Finally… an English translation is available:
http://occupyconcepts.org/wiki/General_Assembly

Thanx to the Occupy-Activists!

Update August 2010

Seit Veröffentlichung des Weblogs haben wir viel positive Rückmeldung erhalten – und einen Korrekturvorschlag, der jetzt auch eingearbeitet ist:
eine neue Zeichnung für “Ablehnung”.

Zudem haben sich Leute gemeldet, die an Übersetzungen ins Englische, Spanische, Portugisische (mit)arbeiten möchten.
Falls es bereits irgendwo Übersetzungen oder teilweise Übersetzungen gibt, würden wir uns über Zusendung freuen, um möglichst schnell hier auch die komplette Übersetzung aller pdfs zur Verfügung stellen zu können.

Diskussionshandzeichen…

Die hier dargestellten Diskussionshandzeichen wurden entwickelt, um die Kommunikationsprozesse mehrsprachiger konsensorientierter Großgruppen zu erleichtern.

Sie sind aber auch für kleinere Gruppen geeignet, die nur in einer Sprache diskutieren.

Die Zeichen haben sich in den letzten Jahren weiter verbreitet und es sind Zeichen und zum Teil widersprüchliche Bedeutungen hinzugekommen. Außer in einigen wenigen Broschüren und Homepages (1) existierten aber bisher keine einheitlichen und verständlichen Darstellungen.

Nach eigener langjähriger Erfahrung mit den Handzeichen in Großgruppen, Diskussionsrunden, Bezugsgruppen und Moderationstrainings, sowie Rücksprache mit verschiedenen Einzelpersonen und Trainingskollektiven, möchte ich hiermit eine übersichtliche und weiterverwendbare Darstellung der Diskussionshandzeichen zur Verfügung stellen – mit Texten, Grafiken und ausdruckbaren pdf-Flyern und –plakaten (2).

Marc Amann

(1) Frühere Darstellungen der Diskussionshandzeichen finden sich unter anderem hier:
* the ZHABA faciltitators collective:  Shared Path – Shared Goal. A Handbook on Direct Democracy and the Consensus Decision Process. Reprint of an EYFA-Handbook from 1995
* Werkstatt für gewaltfreie Aktion Baden: Konsens. Handbuch zur gewaltfreien Entscheidungsfindung. Karlsruhe 2004
* A graphical illustration of the meeting Hand Signals: http://www.tridentploughshares.org/article1384

(2) größten Dank an Martin Müller (http://www.ilikeyourbadbreathdaddy.de/) für die Erstellung der Grafiken und pdf-Dateien