Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Wozu dienen die Handzeichen?
Die Handzeichen ermöglichen zusätzliche nonverbale Meinungs- und Bedürfnissäußerungen parallel zu Wortmeldungen. Sie sind eine unmittelbare Rückmeldung an alle Beteiligten und einfacher auszuführen (und weniger zeitintensiv bzw. störend) als Wortmeldung bzw. Dazwischenrufen.
Sie ergänzen die sprachliche Kommunikation auf nonverbaler Ebene. Insgesamt unterstützen und erleichtern sie dadurch Kommunikation und Entscheidungsfindung in Gruppenprozessen.
Auch für ModeratorInnen liefern die Handzeichen wichtige Rückmeldungen – sie sind eine Art ständiges Stimmungsbild.

Für welche Situationen eignen sich die Handzeichen?
Entwickelt und am häufigsten verwendet wurden und werden die Handzeichen in Gruppenprozessen, bei denen es um das Finden einer gemeinsamen Position geht, bei denen meistens irgendeine Form von Meinungsaustausch und Entscheidungsfindung vorhanden ist. Die meisten dieser Gruppen arbeiten nicht mit Abstimmungen und Mehrheitsentscheidungen, sondern Konsensverfahren. Genau für solche Verfahren, v.a. wenn sie in großen, mehrsprachigen Gruppen stattfinden, bieten die Handzeichen eine große Unterstützung.
Die Handzeichen werden aber von kleineren Aktionsgruppen (Bezugsgruppen) verwendet.

Wieviele Handzeichen gibt es?
Hier sind die 14 bekanntesten und am häufigsten benutzten Handzeichen für Diskussionsprozesse dargestellt, es gibt aber weitere und es gibt auch unterschiedliche Meinungen darüber, wieviele Handzeichen sinnvoll sind.

Woher stammen die Handzeichen?
Wann und von wem die Diskussions-Handzeichen entwickelt und zum allerersten Mal benutzt wurden, lässt sich nicht sagen. Wie bei den meisten kulturellen Dingen haben auch hier verschiedenste Personen und Gruppen zur Entwicklung, Verbreitung, Veränderung und dem momentanen Gebrauch beigetragen. Ursprünge liegen in der US-amerikanischen Umwelt- und Friedensbewegung, der deutschen (Jugend-)Umwelt- und Anti-Atom-Bewegung, den Ecotopia-Festivals und dem EYFA-Netzwerk, sowie dem ZHABA-Facilitator-Collective, aber auch in Traditionen der amerikanischen sowie skandinavischen UreinwohnerInnen (siehe dazu auch den Text von Jan Haverkamp (1999) Non-verbal communication – a solution for complex group settings).
Der Gebrauch von Handzeichen als alleinige Kommunikationsform oder zur Unterstützung und Ergänzung verbaler Kommunikation hat eine lange Geschichte und wird in vielen unterschiedlichen Lebensbereichen genutzt: Als Gebärdesprache von Taubstummen, als taktische Zeichen sowie Schiedsrichterzeichen im Sport, als Kommunikationsform beim Fahrrad- und Motorradfahren, beim Tauchen, beim Einweisen von Kränen, in Radio- und Fernsehstudios,… oder auch als schnelle Kommunikationsform von BörsenhändlerInnen und als taktische Handzeichen von SoldatInnen in Kampfeinsätzen.

Ich habe für einige der Handzeichen andere Bedeutungen gelernt und für einige Aussagen kenne ich andere Handzeichen, welche sind denn nun die richtigen?
Es gibt selbstverständlich kein “Richtig” und “Falsch”, aber es kommt dadurch zu Mißverständnissen und Unklarheiten.
Tatsächlich haben sich über die letzten Jahre verschiedene Zeichen und Bedeutungen entwickelt. Die hier dargestellten Zeichen und Beschreibungen scheinen aber die am häufigsten Verwendeten zu sein. Ziel dieses Weblogs und der hier zur Verfügung gestellten pdf-Dateien ist es gerade auch, eine Vereinheitlichung und Eindeutigkeit zu erlangen, um klare Mißverständnisse auf non-verbaler Ebene zu verhindern.

Was ist gegen Klatschen, Buh-Rufen und andere übliche verbale Äußerungen bei Diskussionen einzuwenden?
Es gibt Leute, die erleben Gruppendiskussionen und Gespräche als langweilig, wenn es nicht auch zu (wenigstens gelegentlichen) emotionalen Äußerungen, Klatschen und “Zwischenrufen” kommt. Andererseits gibt es genug Erfahrungen damit, dass solche Meinungsäußerungen stören und den Gruppenprozess behindern bzw. auf Personen, die sich nicht so sicher fühlen, sehr einschüchternd und einschränkend wirken. Auch deshalb wurden die Handzeichen entwickelt.
Die Verwendung der Handzeichen muss ja nicht bedeuten, dass es keinerlei zusätzliche Äußerungen geben darf – aber sie sollen solchen Meinungsäußerungen eine Form bieten, die konstruktiv für den Gruppenprozess gemeint sind.

Werden die Handzeichen nicht auch vor allem von „dominanten“ Personen gezeigt und damit ebenfalls Hierarchien befördert?
Ja und Nein. Personen, die sowieso mehr Redeerfahrung haben und sich in einer Gruppe sicherer fühlen, werden sich auch mit den Handzeichen leichter tun und vielleicht auch viel häufiger als andere Personen mit den Handzeichen ihre Meinungen und Bedürfnisse mitteilen. Aber die Erfahrung zeigt, dass es für “unsichere” und unerfahrene oder sprachlich nicht so selbstbewußte Personen weitaus einfacher ist, die Handzeichen zu verwenden, als es sich zu trauen, sich zu Wort zu melden.

Wie können wir gewährleisten, dass diejenigen, die die Handzeichen noch nicht kennen, nicht überfordert sind, wenn sie in einer Runde sind, wo andere mit diesen Zeichen kommunizieren?
Wenn vor jedem Gruppenprozess die Handzeichen kurz erläutert werden, und/oder die in diesem Weblog angebotenen Flyer/Plakate verteilt/aufgehängt werden, können die Zeichen und ihre Bedeutung allen bekannt gemacht werden.

Was ist Konsens?
Konsens bedeutet, dass eine Entscheidung getroffen wird, die für alle Beteiligten zumindest “in Ordnung” ist, hinter der alle stehen können. Dabei gibt es verschiedene Konsensformen und Konsenstheorien.
Bedeutsam ist, dass Konsens im besten Fall bedeutet, dass alle völlig einverstanden sind mit einem Vorschlag/einer Entscheidung, andererseits aber auch dann ein Konsens vorhanden ist, wenn zwar nicht alle völlig einverstanden sind, aber gleichzeitig niemand so starke Bedenken und Einwände gegen einen Vorschlag hat, dass sie/er diese Entscheidung grundsätzlich ablehnt, bzw. den anderen mitteilt, dass auch sie (als Gruppe, zu der alle gehören) diese Entscheidung so nicht ausführen können (das wäre dann ein Veto). Dazwischen gibt es dann noch Konsenstufen, bei denen trotz leichter, mittlerer oder schwerer Bedenken alle die Entscheidung mittragen oder dass eine/mehrere Personen die Entscheidung zwar auch tragen, sich aber an der Umsetzung/Durchführung nicht aktiv beteiligen möchten. Eine weitere Form ist, dass sich eine Gruppe teilt bzw. einzelne, die eine Entscheidung nicht mittragen können, die Gruppe verlassen.

Eine sehr gute und verständliche Darstellung von Konsensprozessen und Erfahrungen damit findet sich in: Konsens. Handbuch zur gewaltfreien Entscheidungsfindung. Werkstatt für gewaltfreie Aktion Baden, Karlsruhe 2004)

Hinsichtlich der Verwendung und Interpretation der Handzeichen ist wichtig, dass es sich nicht automatisch um Konsens handelt, wenn bei einem Entscheidungsvorschlag viele (oder scheinbar alle) Anwesenden mit den Händen “wedeln”/Zustimmung signalisieren. Stattdessen muss immer explizit gefragt werden, ob es Bedenken/Einwände gibt, anstatt lediglich nach Zustimmung zu fragen!

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